Montag, 10. März 2008

Arme, freudlose Seele

Wie armselig ist doch dieses Gemüt, dass es sogar ein Geschenk verbergen muss. Dabei hat sich der kleine A so süss um eine ganz persönliche Gabe zum 80. Geburtstag seiner Grossmutter bemüht und ihr fast ohne Hilfe einen Geburtstagskuchen gebacken. "Aber 80 Kerzen - ist das nicht ein bisschen schwierig?" meinte der bald 7jährige Enkel. Er hat sich ein Rezept ausgesucht - Schoggikuchen, na klar, das schmeckt auch ihm und er wird garantiert mehr als ein Stück davon essen. Buchstabe für Buchstabe und Zeile um Zeile hat er die einzelnen Zutaten gelesen und parat gestellt. Und dann haben wir zusammen gebacken. Das dauerte fast eine Stunde und war für den kleinen Lausebengel doch recht ermüdend. Trotzdem, er hat bis zuletzt durchgehalten und den blumenförmigen Geburtstagskuchen mit Zuckerguss und vielen solchen farbigen Kügelchen verziert. T hat das Ganze mit einer selbst gebastelten und bemalten Gratulationskarte ergänzt und fertig war das perfekte Geschenk zum einem solch ehrenwerten Feiertag.

Wenig wenig ehr- und würdevoll jedoch die Reaktion des Vaters. Die Kinder kamen zur vereinbarten Zeit zu ihm, wo bald die Gäste eintrafen. Der Kuchen wurde kommentarlos aufgetischt - mit Prosecco für die Erwachsenen und Rimus als offizieller Kinderwein für die Kleinen. Dabei wusste niemand, von wem dieses kleine süsse Kunstwerk war, am wenigsten die Gratulantin. Die konnte sich erst heute, nach Rückfrage der Mutter - die war ja schliesslich nicht zum Fest eingeladen - richtig über das Gebäck freuen. Da wurden gleich zwei liebe Menschen um ihre Freude betrogen: die Grossmutter über das Geschenk und der Enkel als stolzer Junior-Konditor und Schenkender.

Wie freudlos muss so ein Mensch durchs Leben gehen, dass er seiner eigenen Mutter die Herkunft der Torte verschweigt, nur weil seine Bald-Ex-Ehefrau bei der Herstellung geholfen hat? Und ist es nicht unerträglich armselig, den eigenen Sohn um diesen besonderen Augenblick der glänzenden Äuglein zu betrügen, wenn die Grossmutter sich über den Kuchen freut und bedankt?

Keine Gefälligkeiten mehr!

Einmal mehr kam ich ihm entgegen. Und einmal mehr hat er mich enttäuscht. Sieht so aus, als wäre ich nicht lernfähig. Bin also immer noch zu gutgläubig. Nach allem, was geschehen ist, handle ich wider besseren Wissens. Und immer wieder zugunsten der Kinder.

Die Grossmutter feierte ihren 80. Geburtstag. Und da sie die Mutter des Kindsvaters ist, hatten wir ein Problem. Mit mir. Ich konnte doch nicht auch eingeladen werden, das gibt doch nur Streit oder zumindest schlechte Stimmung. Keine Sorge, da trete ich freiwillig ein-zwei Schritte zurück. Für mich ganz selbstverständlich, dass die beiden Enkel mitfeiern durften, auch wenn es kein Besuchswochenende war. Sofern sie rechtzeitig wieder zu Hause sind. Abgemacht war eine halbe Stunde später als üblich - mein Entgegenkommen lautete auf 19.30 Uhr statt 20.00 Uhr wie für diesen Anlass gewünscht.

Ich hätte mir denken können, dass es nicht klappt. Nur 12 Minuten von zu Hause weg haben alle miteinander im Restaurant gefeiert. Kein Stau weit und breit hätte sie also vor einer rechtzeitigen Rückkehr gehindert. Um 19.40 fragte ich nach, wo die beiden Schulkinder blieben. Das Dessert hielt sie zurück. Um 20.15 war immer noch niemand da. Also später, als die Zeit, die der Vater selbst vorschlug. 21.30 Uhr. Das machte mich nicht nur nervös sondern auch wütend. Schliesslich habe ich am nächsten Morgen die Konsequenzen zu tragen, wenn die Kinder müde und nicht aus dem Bett zu bringen sind. Und fallen die Prüfungsnoten nur genügend aus, wird das sicher mir angelastet. Die Konsequenzen habe also in jedem Fall ich zu tragen. Die Ursache liegt jedoch nicht bei mir. Erst um 21.45 Uhr waren T+A daheim.

Warum hätte ausgerechnet diesen Sonntag etwas klappen sollen, das während 10 Ehejahren nicht funktionierte!

Sonntag, 2. März 2008

Verzögerungstaktik

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass gewinnt, wer den längeren "Schnauf" hat. Dabei spielt Zeit nur eine Rolle. Eine andere das Geld, denn mehrere Gerichtsverfahren mit vorangehend hohen Anwaltskosten muss man sich leisten können. Und ich als Frau - laut neusten Untersuchungen im Lohn immer noch 23 % günstiger im Angebot der Arbeitswelt - und hauptsächlich Mutter mit unbezahltem Arbeitsplatz daheim habe schon von Natur aus (das kann man schon fast zynisch verstehen) erheblich weniger Mittel zur Verfügung als ein 100 % arbeitender Mann in Kaderposition. Völlig ungeachtet dessen, dass ich ja Unterhalt bekomme. Denn trotz ehrlichen und kräftereibendem Bemühen um eigenen Verdienst, ich habe monatlich immer noch wesentlich weniger Franken und Rappen zur Verfügung als mein Mann. Und ich lebe zu Dritt mit meinen Kindern. Mein Mann allein. In einer teureren Wohnung und vielen anderen Annehmlichkeiten, selbstverständlich. Denn die Welt ist männlich.

Zur Verzögerungstaktik in der ganzen Kriegslist um die Scheidung gehört auch, dass der Anwalt meines Mannes erst nach 3 Monaten - also 10 Wochen später als vom Gericht gefordert - die notwendigen Unterlagen und Dokumente nachreichte und die ausstehenden Informationen lieferte. Diese habe ich bis heute nicht gesehen. Auch nach mehreren intensiven, langen Telefongesprächen mit meinem Anwalt über diversen Szenarien, wie es weitergehen könnte - es ist alles noch beim alten: gemeinsames Sorgerecht, ungeschieden.

Ist das (s)ein Ziel?

Sonntag, 24. Februar 2008

Fremde Erfahrungen

Zum wiederholten Mal muss ich feststellen, dass ich keineswegs die Einzige bin, die in der Scheidung solches erlebt. Das erstaunt eigentlich nicht. Doch die Heftigkeit und das Ausmass über die Ähnlichkeit der Geschichten sprengt jede Vorstellung. Eine andere Mutter erzählt:

Ihr Mann sein ein angesehener, bestens verdienender Banker gewesen. Bei der Scheidung vor Gericht habe er den armen Vater gespielt, der seinen gesamten Verdienst zu Hause abliefere, alles der Frau und Mutter zu Verwaltung und Führung des Haushaltes überlasse. Zu den Kindern habe er ein ausgesprochen liebevolles Verhältnis, verbringe ungewöhnlich viel seiner Freizeit mit ihnen und gehe aus diesem Grund keinem persönlichen Hobby oder ähnlichem nach. Über sein Vermögen wisse ausschliesslich seine Frau Bescheid, er habe alles zu treuen Händen ihr überlassen.

Die Leserin ahnt, dass kein Banker sein ach so sauer und hart verdientes Einkommen in nur in den einzigen häuslichen Fonds investiert. Auch wenn er nicht als Investmentbanker arbeitet, er kennt aus seinem Alltag oder dank seines beruflichen (und bestimmt auch privat entsprechenden) Netzwerkes unzählige Tricks und Kniffe, um auf legalen oder unbekannten Wegen seine Goldtaler zu vermehren, an Steuervogt und habgierigen Familienangehörigen vorbeizuschmuggeln.

Der aus dem Volk gewählte Laienrichter hört beiden Parteien – je von einem teuer bezahlten Anwalt vertreten – aufmerksam zu. Und entscheidet: das Sorgerecht werde geteilt, das verbleibende Vermögen der beiden sei nicht zu teilen, die Unterhaltszahlung und Alimente ist auf ein knappes, kaum existenzwahrendes Minimum festgelegt. Einmal mehr also muss die Frau und Mutter beim Sozial- und Fürsorgeamt bittstellig werden, während der Mann sich händereibend auf sein gehortetes, verstecktes Vermögen verlassen kann. Und dem natürlich immer noch hohem Einkommen. Die Mutter muss unbedingt eine Teilzeitstelle annehmen – mindestens 50 % Arbeitspensum sind ihr schliesslich zuzumuten, da das jüngste Kind bereits über 10 Jahre alt ist.

Doch der Clou an dieser Geschichte ist nicht das Aufteilen des Geldes. Diese Mutter hatte keine Chance auf Gerechtigkeit, weil der Richter mit dem Schwiegervater bestens bekannt ist – beide sind Vorstandsmitglieder im grössten Verein der Gemeinde.

Seit dem ersten Scheidungstermin sind bei mir über 4 Monate vergangen. Und ich weiss bis heute nicht, ob ich jetzt schon geschieden bin, wer das (alleinige) Sorgerecht erhält, wieviel und wie lange ich Unterhalt erhalte, wie das Vermögen aufgeteilt wird, die die hohen Gesundheitskosten (bspw. Selbstbehalt auf Zahnkorrekturen der Kinder) aufgeteilt werden etc. Nachdem der Gegenanwalt seine Replik geschrieben hat, der Jugendpsychologe das Gutachten für A verweigerte und sogar das Mandat zurückgab, wird jetzt eine neue Psychologin ein Gutachten über beide Kinder schreiben müssen. Obwohl schon 7 "Gegengutachten" von Pädagogen und anderen wichtigen Bezugspersonen vorliegen.

Ich hoffe, die fremden Erfahrungen werden nicht zu meinen eigenen.

Dienstag, 22. Januar 2008

Von langer Hand vorbereitet

Es grenzt schon an kriminieller Energie, mit welcher mein noch Ehemann vorgeht, um das alleinige Sorgerecht für sich durchzusetzen. Im Juni hat er A notfallmässig in Kinderspital gebracht - ohne mein Wissen notabene - und ihn untersuchen lassen. Vordergründig ging es um 4 Wochen alte Brandwunden, die sich mein Junior bei einem frühsommerlichen Ausflug beim "brätle" zuzog. Ich liess ihn - unter ständiger Aufsicht natürlich - seine Erfahrungen mit dem Feuer machen. Er musste dabei tatsächlich am eigenen Leib erfahren, dass der Stecken brennt, mit der Zeit Asche abwirft und dass diese heiss ist - und darum die Haut verbrennen kann. Nicht wirklich erwähnenswert, dass ich seine Wunde selbstverständlich sofort soweit als nötig behandelte - und den Rest machte die Zeit. Heute - mehr als 6 Monate später - ist absolut nichts mehr von dieser Bubenerfahrung sichtbar, selbst A könnte heute nicht mehr sagen, wo er sich verbrannt hatte.

Der Arzt untersuchte also die alten, bereits fast verheilten Brandwunden. Zudem musste er auf Verlangen des Kindsvaters seine Genitalien untersuchen - die vollkommen normal und altersgemäss entwickelt waren - stellte fest, dass er ausser ein paar üblichen Hämatomen vom Spielen keine Blessuren aufweist und auch sein Mund (!!!) keine Auffälligkeiten zeigt.

Erst Wochen später erfuhr ich vom plötzlichen Spitaluntersuch - als nämlich deren Verwaltung anrief und die Details zu A's Krankenkasse wissen wollte um die Rechnung ausstellen zu können. Ich hatte absolut keine Wahl, musste die Infos rausgeben, auch wenn ich weder vom Untersuch wusste, noch das Ergebnis kannte und ganz davon zu schweigen gar nicht damit einverstanden war.

Überrascht es die Leserin, dass der Vater den Selbstbehalt nicht zahlte? Ich konnte drohen, toben und sogar den Schwiegervater miteinbeziehen und meinen Rechtsanwalt informieren, ich kam nicht durch. Schlussendlich musste ich diese Rechnung bezahlen - inklusive happige Mahnspesen und Verzugszinsen. Obwohl ich weder die Kosten verursacht hatte geschweige denn das Ganze guthiess. Und der Hausarzt diesen Untersuch ebenfalls hätte durchführen können - sofern er denn nötig gewesen wäre. Aber dazu hätte mich ja der Vater informieren müssen, denn er kennt den Hausarzt seines Kindes nicht - wie viele ander wichtige Personen, Eckdaten aus seinem Alltags- und Schulleben auch nicht kennt.

Erst Monate später und auf drängen, nachforschen und penetrantem Verlangen erhielt ich via Hausharzt den Bericht.

Und heute, mehr als ein halbes Jahr später, fragte die Stelle für Kinderschutz des Spitals - die bei Verdacht auf Kindsmissbrauch automatisch und zwingend informiert wird - nach, ob sie den Bericht tatsächlich dem Vater zustellen dürfe, ob er wirklich ebenfalls das Sorgerecht für den Sohn habe. Und ihm den von ihm verlangten Bericht zustellen dürfe.

Von wegen Brandverletzungen! Von wegen dringender Verdacht auf Kindsmissbrauch! Wäre die Sachlage tatsächlich so schlimm wie dargestellt gewesen, hätte dann der Vater nicht super-subito reagieren und alle ihm nur erdenklichen Möglichkeiten in Erwägung ziehen müssen und aktiv ins Familienleben einschreiten müssen? Nein, da geht es nicht wirklich ums Kindeswohl, das soll jemand ganz anderer fertig gemacht werden!

Dienstag, 8. Januar 2008

Kein königlicher Tag

Ich habs geahnt: T wollte als eine der 3 heiligen König von Tür zu Tür gehen und als Sternensängerin den Bewohner den Jahressegen bringen. Zwar stehen jetzt auf einigen Türen in unserem Dorf und auch auf unserer die kreidenen Lettern 20*C+M+B*08 - aber die wurden nicht im Beisein von T geschrieben.

Es war Besuchswochenende, die Kinder also für gut zwei Tage bei ihrem Vater. Ausgerüstet mit Kleidern und allen notwendigen Informationen gingen sie über die Strasse und verbrachten sicherlich schöne Stunden. Mit im kleinen Gepäck war der Zettel mit allen Instruktionen zum Sternensingen. T hat sich enthusiastisch für diesen Brauch angemeldet und freute sich, verkleidet und singend von Tür zu Tür zu gehen, den Jahressegen zu überbringen und gleichzeitig für ein Kinderdorf in Papa Neuguinea zu sammeln.

Sie freute sich so sehr darauf, dass sie sogar zusammen mit ihrem Bruder Glücksbrötchen backte. In jeden Zopfteig-Muffin steckten sie eine Mandel oder eine Nuss und wollten diese an den Haustüren verkaufen. Alles war vorbereitet, der Teig backbereit in den mit Papier ausgelegten Förmchen, die Backanleitung für Papi abgeschrieben. Zwar wollten sie das gesammelte Geld nicht in denselben Spendentopf für die Kinder legen sondern der Nonna als Weihnachtsgeschenk überreichen. Schliesslich sei sie ja schon alt und habe nicht so viel Geld. Ich war gerührt und unterstützte meine beiden Kinderlein mit allen Kräften in ihrem Vorhaben - auch wenn mir das Hausieren nicht sonderlich gefiel. Aber sie gingen mit so viel Charme und Liebe daran, das werden die angebettelten Personen sicher verstehen und - so hoffte ich zumindest für T+G - die Brötchen für einen Batzen kaufen.

Aber es kam ganz anders als geplant. Am Samstag schon gingen T+G auf Tour und verkauften ihr Gebäck. Am erfolgreichsten in einer einfachen Wirtsstube. Die lieben Stammgäste dort täuschten unglaublichen Hunger vor und nahmen den beiden Kindern gegen gutes Geld gleich ein paar Brötchen ab. Und im Verlauf des Nachmittags waren auch die anderen Brotmuffins verkauft.

Die Überraschung kam am Sonntag: Das Telefon läutete und mir schwante Übles. Ich konnte nicht rangehen und musste zurückrufen. Ich erkannte die Nummer der Religionslehrerin - doch nun war sie nicht mehr erreichbar. So musste ich meine Ahnung dem Anrufbeantworter anvertrauen. Ich nähme an, es ginge um T und das Sternsingen und hinterliess die Telefonnummer des Vaters in der Hoffnung, ihr Aufruf bei ihm direkt hätte mehr Durchsetzungskraft. Dem war leider nicht so. Etwa eine Stunde später läutete es an der Tür und vor mir standen die drei heiligen Könige - in Begleitung der Religionslehrerin aber ohne T. "Wo ist T?" fragte eines der Mädchen fast ein wenig weinerlich. Sie habe weder am Gottesdienst teilgenommenbnoch sei sie zum Sternensingen erschienen - und eine Abmeldung hätten sie auch nicht erhalten. Es tat ir furchtbar leid - für die Gspänli und für meine Tochter, die doch unbedingt mitmachen wollte. Ich entschuldigte mich vielmals und hoffte auf Verständnis für unsere schwierige Familiensituation. Schlussendlich sangen die Könige ihre herzigen Lieder, sagten feierlich ihre Sprüchlein auf und schrieben sorgsam den Segen auf den Türrahmen. Dafür erhielten sie nicht nur eine kleine Spende für das Kinderdorf sondern auch einen Schoggistern für sich selbst.

Ich befürchtete eine schlimme Szene wenn T+G wieder nach Hause kamen. Wusste ich doch, wie sehr sich T auf diesen Anlass gefreut hat und nun nicht teilnehmen konnte. Aber ich hatte mich getäuscht: Rechtzeitig und mit grossen Tragtaschen voller Weihnachtsgeschenke kamen sie rechtzeitig nach Hause. Sie hätten noch beim Onkel Weihnachten gefeiert - das fünfte Fest zu diesem Anlass. Und anscheinend war das Abholen der Geschenke auch für T wichtiger als am Sternensingen teilzunehmen.

Schlussendlich ging an diesem Abend nur ich enttäuscht und verärgert zu Bett.
Enttäuscht, weil die Geschenke wichtiger waren als immaterielle Werte und Glücksbotschaften. Enttäuscht, weil sich T nicht an die Vereinbarung zur Teilnahme gehalten hat. Und verärgert, dass sich der Kindsvater einen Deut um solche Wert und Vereinbarungen schert.

Sonntag, 6. Januar 2008

Noch ist alles unklar

Lange fand ich keine Kraft mehr, hier zu schreiben. Denn zuallererst braucht eine Scheidung mehr Kraft, als das neue Leben einem geben könnte. Eine ungeheuer anstrengende Metamorphosis. Und ich habe keinen blassen Schimmer, in welchem Stadium ich bin. Alle bestehenden Wert gehen flöte. Kein einziger Stein bleibt auf dem anderen. Fast jede Einstellung erweist sich als falsch. Die schlimmsten Erfahrungen werden plötzlich von fremden Personen bestätigt. Ich muss also damit rechnen, dass die Lösung aus dieser Ehe noch lange nicht vorbei ist, auch wenn inzwischen das Papier unterschrieben ist, indem ich meinen definitiven, freien Scheidungswillen nach zweimonatiger Bedenkzeit öffentlich und richterlich manifestierte.

Per dato streiten wir uns immer noch je um das alleinige Sorgerecht. Vor Gericht ist bis heute unerheblich, dass ich seit der Geburt von T praktisch die alleinige Betreuung übernahm – auch wenn ich teilzeit wenig arbeiten ging. Denn auch für die stellvertretende wenn auch innerfamiliäre Betreuung war ich gänzlich zuständig. In Organisation und Abgeltung. Das wurde mit dem zweiten Kind nicht anderst. Meine Stelle musste ich auf Druck meines Mannes aufgeben und tröstete mich mit fadenscheinigen Begründungen, in der Firma hätte sich die Situation zu meinen Ungunsten geändert. Von zu Hause aus arbeiten sei für die Kinder viel angenehmer – meinte mein Mann. Welchen organisatorischen und Kräfteaufwand das für mich bedeutete – wie immer ohne seine Unterstützung notabene – liess er grosszügig ausser Acht. Aber ich schaffte auch dies. Während er mit meiner Unterstützung als persönlicher Coach an seiner Karriere weiter bastelte. Ich staunte, wie er Stabstellenleiter werden konnte, ohne Überstunden zu schieben. Dass dies in einer so grossen Firma überhaupt möglich war, wo es doch zum Machtspiel gehört, Präsenz als Leistungsausweis zu zeigen. Klar gönnte ich ihm die abendlichen Sportstunden, den gedeckten Tisch bei der Heimkehr, die bereits fürs Bett vorbereiteten Kinder – wie gern hätte ich diese Privilegien auch genossen.

An dieser Alltagssituation hat sich bis heute nichts geändert. Auch wenn der Kindsvater weiterhin voll beschäftigt ist und ein erweitertes Besuchsrecht geniesst – mehr als anno dazu mal kümmert er sich nicht um die Kinder. Bringt sie zu seinem Vater über Nacht damit er seine neue Liebschaft geniessen kann. Oder bringt sie zur Patin um Besorgungen zu machen. Oder holt die Mutter um mit der Nachbarin in aller Ruhe einen nächtlichen Schwatz zu halten. Es genügt also vor unserer Judikativen (oder sollte es nicht die Exekutive sein?) zu behaupten, er kümmere sich vermehrt um seinen Nachwuchs, wolle sein offizielles Arbeitspensum reduzieren, von seiner Wohnung aus arbeiten und während seiner grösstenteils ausserhäuslichen Arbeit kümmere sich seine betagte Mutter. Augenwischerei, das weiss ich, doch vor Dritten wird die Lüge der Wahrheit gleichgestellt. Wie sonst solle ein Gericht die Aussagen behandeln wenn nicht so, meint der Anwalt. Und geschiedene Mütter bestätigen, dass gewinnt, wer besser lüge. Ist dies eine Anleitung?