Samstag, 15. Dezember 2007

Kindsmissbrauch

Nichts in unserer Gesellschaft ist verwerflicher als Kindsmissbrauch. Jeder Mörder steht über einem Kinderschänder. Auf kein Thema reagieren wir sensibler als auf den unerhörten Machtmissbrauch unschuldiger, wehrloser und schutzbedürftiger Kinder. Und das ist richtig so. Sofern es denn auch stimmt.

Eine Klage auf einen solchen möglichen Verdacht wird von Staates wegen untersucht. Auch das ist absolut korrekt und notwendig. Wird sie aber missbräuchlich und sogar wissentlich als falsche Anschuldigung erhoben, läuft die Maschinerie trotzdem. Der unter Klage stehende Mann erhält einen Makel, den er nie in seinem ganzen Leben wieder loswird. Auch wenn hieb und stichfest festgehalten wird, dass nur verletzter Stolz, angeknackste Eitelkeit und falsches Machtspiel des Klägers einen solch unerhörten Vorwurf zustande brachte. Dieser offizielle Eintrag wird nicht gelöscht und beeinträchtigt ein Leben lang den Leumund des Unbescholtenen.

Mit solch einer Bedrohung muss mein neuer Lebenspartner leben – ich auch. Die Erpressung dahinter ist ebenfalls unerhört: Gegen eine beispiellos hohe Summe, die weder er noch ich jemals aufbringen können geschweige denn überhaupt bezahlen wollen, würde mein Mann auf die – immer noch völlig aus der Luft gegriffene und ungerechtfertigte – Anzeige verzichten. Gleiches gälte, wenn O aus meinem und dem Leben der Kinder verschwinde.

Wem es jetzt noch nicht die Sprache verschlagen hat, der nehme sich in Acht vor den folgenden Zeilen. Denn Rückfragen bei der Polizei und der Justiz haben ergeben, dass wir absolut machtlos diesem Ansinnen gegenüber stehen. Ja, man kann grundlos jemanden mit unbescholtenem Ruf anzeigen. Ja, ein solcher Vorwurf wird von Amtes wegen untersucht. Ja, auch wenn absolut nichts Ähnliches bestätigt werden kann, der Eintrag bleibt.

Kann mir jemand sagen, warum wir eigentlich Gesetze haben? Wer sorgt hier für Gerechtigkeit? Wieder – wer lügt gewinnt?

Montag, 3. Dezember 2007

Polizeischutz

In meiner Vorstellung eines unbescholtenen Lebens kommt die Polizei im Haus nicht vor. Auch nicht, wenn man sie selbst ruft. Leider war dies gestern nötig. Der Vater wollte die Kinder nicht mehr heimschicken und behauptete, ich hätte dazu meine Einwilligung gegeben.

Nein, hatte ich nicht. Die Kinder wussten, dass sie zur üblichen Zeit am Sonntag daheim sein sollen, in ihren Betten schlafen und wie immer nach ausreichend Schlaf und dem gemeinsamen Frühstück gestärkt in den Tag gehen. Vor allem zu Wochenbeginn ist ein geglückter Start überaus wichtig: Lange Schultage, Hausaufgaben- und Prüfungen, zusätzliche Unterichtsstunden wie Religion oder Freizeitbeschäftigungen wie Musikunterricht und Sport brauchen ihre Zeit. Und das Spielen mit Freunden soll ebenfalls seinen wichtigen Platz im Alltag haben. Jede Mutter ahnt die nicht enden wollende Quengelei, wenn schon zu Anfang alles schief läuft. Besuche beim Papi fangen das natürlich nicht auf und sind keinesfalls repräsentativ für den vielseitigen Tagesablauf schulpflichtiger Kinder.

Also musste ich darauf bestehen, das grosszügige Besuchsrecht nicht noch weiter auszudehnen, auch wenn sie natürlich herzlich gerne bei Papi noch ein bisschen Unbekümmertheit geniessen würden. Aber das Leben ist kein Disney World und ihnen ist keinen Dienst getan, täte ich jeweils, wie ihnen beliebe. Doch über das Besuchsrecht hab ich schon berichtet (vgl. Blog 28.11.2007)

Ich hatte schon die ganze Woche Angst vor dieser Konfrontation, weiss ich doch, dass der Kindsvater auf sein Recht pocht. Recht heisst für ihn, dass alle - und vor allem ich - tun, was und wie er will. Kompromisslos. Mein Körper reagierte auf diesen Druck mit Blasenentzündung (darüber ein ander mal mehr). Die Stunde rückte näher und ich teilte mit, dass ich die Kinder zur üblichen Zeit daheim erwarte. Die Antwort kam rüde und prompt: S+F bleiben, wo sie seien und gingen direkt von dort zur Schule, die Schulsachen hätte ich bereit zu stellen, er käme sie holen. Da halft kein Argumentieren, kein Hinweisen auf verbindliche, gerichtlich dokumentierte Vereinbarungen. Nichts.

Ich bekam Angst. Dass die Kinder nicht heim kommen - was einer Entführung sehr nah kommt. Dass der Vater mich mit seiner aggressiven Art aufs Übelste beschimpft, beleidigt und körperlich bedroht, wenn er den Schulthek holen würde. Oder ich die Kinder abholen wollte. Also holte ich mir bei der Nachbarin Unterstützung.

Wir warteten gemeinsam auf die Kinder. Sie kamen nicht. Ich gab ihnen nochmals 10 Minuten Zeit. Mehr ist nicht nötig, der Vater wohnt auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Sie kamen nicht. Was soll ich tun? Tatsächlich die Polizei anrufen? Ist das wirklich notwendig? Muss das sein, so drastisch? Leider ja!

Nach einer unendlich langen halben Stunde waren die Beamten in Zivil - wenigstens das - da. Die Nachbarin verabschiedete sich. Die Herren liessen mich erzählen, worum es ging. Und plötzlich hörte ich die vertrauten Geräusch im Treppenhaus: Getrampel von kleinen Füssen, übermütige Kinderstimmen, Ware, die sie mitschleppen. Meine beiden Schätzis sind da! Ich war überglücklich, stammelte ein erleichtertes Hallo und musste mit aller Kraft meine Tränen zurückhalten. Wie war ich froh, war der Einsatz der Polizei nicht wirklich notwendig. Nichts Schlimmeres, als so die Kinder abholen zu müssen, Gott behüte!

Die Kinder sind wieder daheim und somit ist dieser Teil der Geschichte hier zu Ende. Aber für die Beamten ist noch nichts vorbei, die Mühlen beginnen erst zu laufen. Und ich hoffe sehr, diesmal in den richtigen Bahnen!