Das ist eine Kampfansage! Denn wenn es um meine Kinder geht, hört jeder Spass auf. Darum muss ich drastische Gegenmassnahmen treffen, um das Sorgerecht - zu Recht! - behalten zu können. Wenn Lüge ein taktisches Mittel im Scheidungskampf ist, dann ist mir die Wahrheit nur recht und billig.
"Die Kinder entwickeln sich dem Alter entsprechend", stellt mein Anwalt fest. Und bemerkt gleichzeitig, dass die beiden selbstverständlich die nicht immer fairen Auseinandersetzungen der Eltern mitbekommen und auf ihre Art und Weise darauf reagieren. Das Gericht muss sich heute überzeugen, ob die Befürchtungen des Vaters zutreffen und verlangt ein psychologisches Gutachten.
Tönt ja superheftig. Ist es auch. Und vor allem einseitig. Während der Psychiater einen expliziten Problemfall beurteilen muss, bemühe ich mich um ein ausgewogenes Gesamtbild. Das ist nur möglich, wenn verschiedene Personen - Frauen wie Männer, Väter wie Kinderlose, Pädagogen wie andere Fachleute - Auskunft geben. Und sich nicht auf eine kurze Momentaufnahme beschränken sondern mehrere Monate oder gar Jahre ihrer persönlichen Erfahrung mit den beiden kund tun. Schriftlich. Vielleicht sogar verstärkt mit Zeugenaussagen.
Das ist keine Science Fiction.
Mittwoch, 31. Oktober 2007
Dienstag, 30. Oktober 2007
Mein Körper lügt nicht
Schon wieder: mit einer Blasenentzündung pendle ich zwischen Toilette und Alltag. Diesmal greife ich rasch zur Apotheke. Habe schliesslich einen Alltag zu bewältigen. Mit Kindern, nota bene. Da nützt kein Krankschreiben.
Es geht mir an die Nieren - wahrhaftig. Meine Kraft kratze ich stündlich zusammen. Widerstehe der süssen Verlockung nach Mittagsschlaf. Nehme mir Zeit für den Nachwuchs. Versuche alles auf die Reihe zu kriegen. Und zack! Streckt mich die schmerzhafte Entzündung nieder.
Kann und will nicht vertuschen, wie sehr mich die Anschuldigungen treffen. Dachte immer, solange ich etwas dagegen tun könne, mich zu wehren vermöge, ginge es. Pah, wehr Dich mal, wenn Du am Boden liegst und Dich kaum bewegen kannst. Da verpufft jeder Schlag zu einem lächerlichen Schubs. Derweil der Feind lacht.
Aber ich komme wieder und zwar gestärkt. Wie immer! Sieh mich an und schau, wie meine Muskeln gehärtet sind, meine Gesichtszüge kantig, aller Lethargiespeck weg. Nein, mein Körper lügt nicht!
Es geht mir an die Nieren - wahrhaftig. Meine Kraft kratze ich stündlich zusammen. Widerstehe der süssen Verlockung nach Mittagsschlaf. Nehme mir Zeit für den Nachwuchs. Versuche alles auf die Reihe zu kriegen. Und zack! Streckt mich die schmerzhafte Entzündung nieder.
Kann und will nicht vertuschen, wie sehr mich die Anschuldigungen treffen. Dachte immer, solange ich etwas dagegen tun könne, mich zu wehren vermöge, ginge es. Pah, wehr Dich mal, wenn Du am Boden liegst und Dich kaum bewegen kannst. Da verpufft jeder Schlag zu einem lächerlichen Schubs. Derweil der Feind lacht.
Aber ich komme wieder und zwar gestärkt. Wie immer! Sieh mich an und schau, wie meine Muskeln gehärtet sind, meine Gesichtszüge kantig, aller Lethargiespeck weg. Nein, mein Körper lügt nicht!
Montag, 29. Oktober 2007
Der ganz normale Wahnsinn
Dies ist mein (fast) ganz normaler Alltag:
Wie immer zu Wochenbeginn bin ich am Organisieren und in die Wege leiten - heute besonders alles für und wegen den Kindern. Nach dem morgendlichen Wahnsinn - bis sie aufgestanden und angezogen sind, gefrühstückt und den ersten Tobsuchtsanfall hinter sich haben - will ich endlich einige Pendenzen erledigen. Doch fürs Geschäftliche reicht meine Inspiration und/oder die Zeit nicht. Also erstmal los zum 1. Teil der Tour de village.
Kindersingen, Plakate aufhängen, Lehrergespräch, Kaffeeklatsch, einkaufen, Blumenstrauss überbringen. L hat Sonne verdient - und für ihre moralische Unterstützung bin ich gerade jetzt überaus dankbar. Sie hilft mir, mit dem richtigen Blickwinkel den Durchblick zu bekommen.
Zu Mittag heute ein kinderfreundliches Menu: Pouletburger. Und für Muttern die Resten der vergangenen Woche.
Siesta? Von wegen! Während S+F wieder brav Geometrie büffeln und erste Schreibversuche machen, räume ich auf. Schachteln und Sommerkleider in den Keller, Ausgeliehenes zurück zur Nachbarin - inkl. kleiner Aufmerksamkeit. Diesmal Plauderei bei Max-Havelar-Saft.
2. Etappe der Dorftour: Sohn von der Schule abgeholt und das Bankwesen ganz praktisch erlebt und erklärt. Nur will der kleine Mann partout nicht verstehn, dass alles Rechtens ist, wenn das Finanzinstut sein Geld verwaltet und verwahrt bis er als mündiger Erwachsener vollumfänglich darüber verfügen kann. Für ihn ist es schlicht Betrug. Und diese Ungerechtigkeit beweint er bitterlich. Da helfen auch die Werbebonbons am Schalter nichts.
Mit Geflenn und Geheul gehts weiter zum Krämer, um den bereits gefeierten Kindergeburtstag mit einem Geschenk zu würdigen. Erst hier im Schlaraffenland voller Spielsachen, Süssigkeiten und Nippes für Gross und Klein tröstet sich der Junior selbst und setzt die abgehobenen 5.-- in Weihnachtslolli und Piratentatoo um. Jetzt ist wieder Ruhe an der Kinderfront.
Dafür gehts mir immer schlechter und wir eilen heim. Aufgabenbetreuung, Hygieneprogramm, Abendunterhaltung, Food Service, Gute-Nacht-Kuss. Was dann folgt, ist für Kinderaugen - und meist war es dem Angetrauten ebenso - unsichtbar: Küche aufräumen, Wäsche waschen und aufhängen, Familienweekend organisieren, Schreib- und andere Büroarbeiten erledigen. Und bald bin ich zu müde für meine eigene Gute-Nacht-Geschichte.
Na, wer passt in dieses Job-Profil?
- Probezeiten unmöglich
- 20 Jahre Arbeitsplatzgarantie
- 16-Stunden-Tage - 364 x jährlich (Muttertag ausgenommen)
- Null Aufstiegschancen
- Monatslohn -.--
- zero Prestige
- 150 % Stressresistenz
- Selbstmotivation selbstverständlich
Wer will, kann diese Liste gerne mit 1'000 weiteren Punkten ergänzen.
Wie immer zu Wochenbeginn bin ich am Organisieren und in die Wege leiten - heute besonders alles für und wegen den Kindern. Nach dem morgendlichen Wahnsinn - bis sie aufgestanden und angezogen sind, gefrühstückt und den ersten Tobsuchtsanfall hinter sich haben - will ich endlich einige Pendenzen erledigen. Doch fürs Geschäftliche reicht meine Inspiration und/oder die Zeit nicht. Also erstmal los zum 1. Teil der Tour de village.
Kindersingen, Plakate aufhängen, Lehrergespräch, Kaffeeklatsch, einkaufen, Blumenstrauss überbringen. L hat Sonne verdient - und für ihre moralische Unterstützung bin ich gerade jetzt überaus dankbar. Sie hilft mir, mit dem richtigen Blickwinkel den Durchblick zu bekommen.
Zu Mittag heute ein kinderfreundliches Menu: Pouletburger. Und für Muttern die Resten der vergangenen Woche.
Siesta? Von wegen! Während S+F wieder brav Geometrie büffeln und erste Schreibversuche machen, räume ich auf. Schachteln und Sommerkleider in den Keller, Ausgeliehenes zurück zur Nachbarin - inkl. kleiner Aufmerksamkeit. Diesmal Plauderei bei Max-Havelar-Saft.
2. Etappe der Dorftour: Sohn von der Schule abgeholt und das Bankwesen ganz praktisch erlebt und erklärt. Nur will der kleine Mann partout nicht verstehn, dass alles Rechtens ist, wenn das Finanzinstut sein Geld verwaltet und verwahrt bis er als mündiger Erwachsener vollumfänglich darüber verfügen kann. Für ihn ist es schlicht Betrug. Und diese Ungerechtigkeit beweint er bitterlich. Da helfen auch die Werbebonbons am Schalter nichts.
Mit Geflenn und Geheul gehts weiter zum Krämer, um den bereits gefeierten Kindergeburtstag mit einem Geschenk zu würdigen. Erst hier im Schlaraffenland voller Spielsachen, Süssigkeiten und Nippes für Gross und Klein tröstet sich der Junior selbst und setzt die abgehobenen 5.-- in Weihnachtslolli und Piratentatoo um. Jetzt ist wieder Ruhe an der Kinderfront.
Dafür gehts mir immer schlechter und wir eilen heim. Aufgabenbetreuung, Hygieneprogramm, Abendunterhaltung, Food Service, Gute-Nacht-Kuss. Was dann folgt, ist für Kinderaugen - und meist war es dem Angetrauten ebenso - unsichtbar: Küche aufräumen, Wäsche waschen und aufhängen, Familienweekend organisieren, Schreib- und andere Büroarbeiten erledigen. Und bald bin ich zu müde für meine eigene Gute-Nacht-Geschichte.
Na, wer passt in dieses Job-Profil?
- Probezeiten unmöglich
- 20 Jahre Arbeitsplatzgarantie
- 16-Stunden-Tage - 364 x jährlich (Muttertag ausgenommen)
- Null Aufstiegschancen
- Monatslohn -.--
- zero Prestige
- 150 % Stressresistenz
- Selbstmotivation selbstverständlich
Wer will, kann diese Liste gerne mit 1'000 weiteren Punkten ergänzen.
Samstag, 27. Oktober 2007
Dorfgeflüster
Komisches Gefühl: gerade eben bin ich mit meinem Schatz erstmals Hand-in-Hand durch unser Dorf gelaufen. Und dabei bin ich noch gar nicht geschieden. Täusche ich mich oder hat da wirklich jemand zweimal geschaut? Ich fühle mich beobachtet, als würde ich etwas Unrechtes tun. Kam mir vor wie eine Fremdenführerin: hier ist die Schule meiner Kinder, da der Bauer, bei dem ich Äpfel, Quitten, Eier und mehr kaufe, dort der Falken, unser Dorfpub et voilà die Migros. Prompt fragte die Kassiererin nach: "Das ist doch nicht Dein Mann, oder?". Nein, ist er nicht. Oder doch? Wer ist mein Mann? Derjenige, den ich geheiratet habe und von dem ich bald geschieden bin? Oder mein Schatz, der mir in allen Belangen zur Seite steht, auch wenn das Dorfgeflüster zum Schreien laut ist?
Big Brother is watching Mother!
Wenn F alleine draussen ist während ich einkaufen gehe, S nicht pünktlich heimkommt obwohls schon dunkel ist, ich die beiden nicht in die Schule begleite oder sie abhole wie dies anscheinend andere Mütter tun - immer sitzt mir die Angst im Nacken, beobachtet zu werden. Als ob R oder sein "Agent" nur darauf warte, einen Fehltritt von mir registrieren zu können. Um diesen supersubito ins schwarze Buch einzutragen. Während er sich also weiterhin alle Freiheiten und mehr gönnen kann, stehe ich prinzipiell unter Verdacht, keine gute Mutter zu sein. Und das jeden Tag, rund um die Uhr, auch abends, wenn die Kinder im Bett oder beim Vater sind.
Ich brauche keine pseudomoderne Realityshow - das ist mein Leben als Alleinerziehende in Scheidung! Wer leistet mir in meinen Wohncontainer Gesellschaft?
Ich brauche keine pseudomoderne Realityshow - das ist mein Leben als Alleinerziehende in Scheidung! Wer leistet mir in meinen Wohncontainer Gesellschaft?
1. Hauptverhandlung
Vor drei Tagen also musste ich antreten an die Scheidungsverhandlung. Ich hoffte, es würde nur eine einmalige Sitzung beim Gericht sein - wenn auch eine lange. Ich habe mich darauf eingestellt, dass sie den ganzen Tag dauern würde. Aber ich war bereits kurz nach Mittag wieder draussen. Völlig enttäuscht, entsetzt und auch ein wenig traurig.
So geht das also beim Gericht. Während ich anständig und fair blieb, alle Anklagepunkte vorbereitet habe und sauber begründete, lügte mein Noch-Ehemann, was das Zeug hielt. Und ich durfte ihn dabei nicht unterbrechen, musste alles anhören, darf erst in der Replik und Duplik der Anwälte dazu Stellung nehmen.
Plötzlich also bin ich eine ganz schlechte, egoistische Mutter, meine Kinder Problemfälle und R, der sich in den letzten 9 Jahren keinen Deut um die Erziehung gekümmert hat, der ideale Erzieher für unsere Kinder im Vorschulalter. Und das, nota bene, obwohl er weiterhin mind. 100 % und in Führungsposition arbeitet.
Ganz zu schweigen von der finanziellen Ungerechtigkeit. Da werden Belege hervorgezaubert, Darlehen erfunden, mit fast artistischen Verrenkungen Finanzakrobatik ein Eigengut kreiert, die mir vom gemeinsamen Vermögen schlussendlich eine lächerliche Abfindung von nicht mal 10 % zugestehen. Es ist die Höhe!
"So ist unser Gesetz nun mal, meine Liebe" muss ich mich tatsächlich trösten lassen. Ach ja? Ich verstehe, dass von Amtes wegen die Kinder psychologisch abgeklärt werden müssen, weil R - wenn auch mit unhaltbaren Lügen - Bedenken angemeldet hat, die das Gericht nicht ausser Acht alssen darf. Und wer während der Ehe Geld verdient, der darf es also bis zum Schluss behalten? Weil meine Hausarbeit nichts wert ist? Weil ich meine paar Prozente ausserhäusliche Arbeit brav für meine persönlichen Ausgaben genutzt habe und so keine Möglichkeit zum sparen hatte? Weil ich also in der Ehe so doof war, mich nicht durchsetzen konnte und R gewähren lies unser Geld für Auto und Wertschriften zu verwenden? Und heute habe ich wieder nichts davon, weil ich mich aus genau diesen (und anderen) Gründen scheiden lassen will.
Wo bleibt da die Gerechtigkeit?
So geht das also beim Gericht. Während ich anständig und fair blieb, alle Anklagepunkte vorbereitet habe und sauber begründete, lügte mein Noch-Ehemann, was das Zeug hielt. Und ich durfte ihn dabei nicht unterbrechen, musste alles anhören, darf erst in der Replik und Duplik der Anwälte dazu Stellung nehmen.
Plötzlich also bin ich eine ganz schlechte, egoistische Mutter, meine Kinder Problemfälle und R, der sich in den letzten 9 Jahren keinen Deut um die Erziehung gekümmert hat, der ideale Erzieher für unsere Kinder im Vorschulalter. Und das, nota bene, obwohl er weiterhin mind. 100 % und in Führungsposition arbeitet.
Ganz zu schweigen von der finanziellen Ungerechtigkeit. Da werden Belege hervorgezaubert, Darlehen erfunden, mit fast artistischen Verrenkungen Finanzakrobatik ein Eigengut kreiert, die mir vom gemeinsamen Vermögen schlussendlich eine lächerliche Abfindung von nicht mal 10 % zugestehen. Es ist die Höhe!
"So ist unser Gesetz nun mal, meine Liebe" muss ich mich tatsächlich trösten lassen. Ach ja? Ich verstehe, dass von Amtes wegen die Kinder psychologisch abgeklärt werden müssen, weil R - wenn auch mit unhaltbaren Lügen - Bedenken angemeldet hat, die das Gericht nicht ausser Acht alssen darf. Und wer während der Ehe Geld verdient, der darf es also bis zum Schluss behalten? Weil meine Hausarbeit nichts wert ist? Weil ich meine paar Prozente ausserhäusliche Arbeit brav für meine persönlichen Ausgaben genutzt habe und so keine Möglichkeit zum sparen hatte? Weil ich also in der Ehe so doof war, mich nicht durchsetzen konnte und R gewähren lies unser Geld für Auto und Wertschriften zu verwenden? Und heute habe ich wieder nichts davon, weil ich mich aus genau diesen (und anderen) Gründen scheiden lassen will.
Wo bleibt da die Gerechtigkeit?
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