Montag, 29. Oktober 2007

Der ganz normale Wahnsinn

Dies ist mein (fast) ganz normaler Alltag:

Wie immer zu Wochenbeginn bin ich am Organisieren und in die Wege leiten - heute besonders alles für und wegen den Kindern. Nach dem morgendlichen Wahnsinn - bis sie aufgestanden und angezogen sind, gefrühstückt und den ersten Tobsuchtsanfall hinter sich haben - will ich endlich einige Pendenzen erledigen. Doch fürs Geschäftliche reicht meine Inspiration und/oder die Zeit nicht. Also erstmal los zum 1. Teil der Tour de village.

Kindersingen, Plakate aufhängen, Lehrergespräch, Kaffeeklatsch, einkaufen, Blumenstrauss überbringen. L hat Sonne verdient - und für ihre moralische Unterstützung bin ich gerade jetzt überaus dankbar. Sie hilft mir, mit dem richtigen Blickwinkel den Durchblick zu bekommen.

Zu Mittag heute ein kinderfreundliches Menu: Pouletburger. Und für Muttern die Resten der vergangenen Woche.

Siesta? Von wegen! Während S+F wieder brav Geometrie büffeln und erste Schreibversuche machen, räume ich auf. Schachteln und Sommerkleider in den Keller, Ausgeliehenes zurück zur Nachbarin - inkl. kleiner Aufmerksamkeit. Diesmal Plauderei bei Max-Havelar-Saft.

2. Etappe der Dorftour: Sohn von der Schule abgeholt und das Bankwesen ganz praktisch erlebt und erklärt. Nur will der kleine Mann partout nicht verstehn, dass alles Rechtens ist, wenn das Finanzinstut sein Geld verwaltet und verwahrt bis er als mündiger Erwachsener vollumfänglich darüber verfügen kann. Für ihn ist es schlicht Betrug. Und diese Ungerechtigkeit beweint er bitterlich. Da helfen auch die Werbebonbons am Schalter nichts.

Mit Geflenn und Geheul gehts weiter zum Krämer, um den bereits gefeierten Kindergeburtstag mit einem Geschenk zu würdigen. Erst hier im Schlaraffenland voller Spielsachen, Süssigkeiten und Nippes für Gross und Klein tröstet sich der Junior selbst und setzt die abgehobenen 5.-- in Weihnachtslolli und Piratentatoo um. Jetzt ist wieder Ruhe an der Kinderfront.

Dafür gehts mir immer schlechter und wir eilen heim. Aufgabenbetreuung, Hygieneprogramm, Abendunterhaltung, Food Service, Gute-Nacht-Kuss. Was dann folgt, ist für Kinderaugen - und meist war es dem Angetrauten ebenso - unsichtbar: Küche aufräumen, Wäsche waschen und aufhängen, Familienweekend organisieren, Schreib- und andere Büroarbeiten erledigen. Und bald bin ich zu müde für meine eigene Gute-Nacht-Geschichte.

Na, wer passt in dieses Job-Profil?
- Probezeiten unmöglich
- 20 Jahre Arbeitsplatzgarantie
- 16-Stunden-Tage - 364 x jährlich (Muttertag ausgenommen)
- Null Aufstiegschancen
- Monatslohn -.--
- zero Prestige
- 150 % Stressresistenz
- Selbstmotivation selbstverständlich

Wer will, kann diese Liste gerne mit 1'000 weiteren Punkten ergänzen.

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