Ich habs geahnt: T wollte als eine der 3 heiligen König von Tür zu Tür gehen und als Sternensängerin den Bewohner den Jahressegen bringen. Zwar stehen jetzt auf einigen Türen in unserem Dorf und auch auf unserer die kreidenen Lettern 20*C+M+B*08 - aber die wurden nicht im Beisein von T geschrieben.
Es war Besuchswochenende, die Kinder also für gut zwei Tage bei ihrem Vater. Ausgerüstet mit Kleidern und allen notwendigen Informationen gingen sie über die Strasse und verbrachten sicherlich schöne Stunden. Mit im kleinen Gepäck war der Zettel mit allen Instruktionen zum Sternensingen. T hat sich enthusiastisch für diesen Brauch angemeldet und freute sich, verkleidet und singend von Tür zu Tür zu gehen, den Jahressegen zu überbringen und gleichzeitig für ein Kinderdorf in Papa Neuguinea zu sammeln.
Sie freute sich so sehr darauf, dass sie sogar zusammen mit ihrem Bruder Glücksbrötchen backte. In jeden Zopfteig-Muffin steckten sie eine Mandel oder eine Nuss und wollten diese an den Haustüren verkaufen. Alles war vorbereitet, der Teig backbereit in den mit Papier ausgelegten Förmchen, die Backanleitung für Papi abgeschrieben. Zwar wollten sie das gesammelte Geld nicht in denselben Spendentopf für die Kinder legen sondern der Nonna als Weihnachtsgeschenk überreichen. Schliesslich sei sie ja schon alt und habe nicht so viel Geld. Ich war gerührt und unterstützte meine beiden Kinderlein mit allen Kräften in ihrem Vorhaben - auch wenn mir das Hausieren nicht sonderlich gefiel. Aber sie gingen mit so viel Charme und Liebe daran, das werden die angebettelten Personen sicher verstehen und - so hoffte ich zumindest für T+G - die Brötchen für einen Batzen kaufen.
Aber es kam ganz anders als geplant. Am Samstag schon gingen T+G auf Tour und verkauften ihr Gebäck. Am erfolgreichsten in einer einfachen Wirtsstube. Die lieben Stammgäste dort täuschten unglaublichen Hunger vor und nahmen den beiden Kindern gegen gutes Geld gleich ein paar Brötchen ab. Und im Verlauf des Nachmittags waren auch die anderen Brotmuffins verkauft.
Die Überraschung kam am Sonntag: Das Telefon läutete und mir schwante Übles. Ich konnte nicht rangehen und musste zurückrufen. Ich erkannte die Nummer der Religionslehrerin - doch nun war sie nicht mehr erreichbar. So musste ich meine Ahnung dem Anrufbeantworter anvertrauen. Ich nähme an, es ginge um T und das Sternsingen und hinterliess die Telefonnummer des Vaters in der Hoffnung, ihr Aufruf bei ihm direkt hätte mehr Durchsetzungskraft. Dem war leider nicht so. Etwa eine Stunde später läutete es an der Tür und vor mir standen die drei heiligen Könige - in Begleitung der Religionslehrerin aber ohne T. "Wo ist T?" fragte eines der Mädchen fast ein wenig weinerlich. Sie habe weder am Gottesdienst teilgenommenbnoch sei sie zum Sternensingen erschienen - und eine Abmeldung hätten sie auch nicht erhalten. Es tat ir furchtbar leid - für die Gspänli und für meine Tochter, die doch unbedingt mitmachen wollte. Ich entschuldigte mich vielmals und hoffte auf Verständnis für unsere schwierige Familiensituation. Schlussendlich sangen die Könige ihre herzigen Lieder, sagten feierlich ihre Sprüchlein auf und schrieben sorgsam den Segen auf den Türrahmen. Dafür erhielten sie nicht nur eine kleine Spende für das Kinderdorf sondern auch einen Schoggistern für sich selbst.
Ich befürchtete eine schlimme Szene wenn T+G wieder nach Hause kamen. Wusste ich doch, wie sehr sich T auf diesen Anlass gefreut hat und nun nicht teilnehmen konnte. Aber ich hatte mich getäuscht: Rechtzeitig und mit grossen Tragtaschen voller Weihnachtsgeschenke kamen sie rechtzeitig nach Hause. Sie hätten noch beim Onkel Weihnachten gefeiert - das fünfte Fest zu diesem Anlass. Und anscheinend war das Abholen der Geschenke auch für T wichtiger als am Sternensingen teilzunehmen.
Schlussendlich ging an diesem Abend nur ich enttäuscht und verärgert zu Bett.
Enttäuscht, weil die Geschenke wichtiger waren als immaterielle Werte und Glücksbotschaften. Enttäuscht, weil sich T nicht an die Vereinbarung zur Teilnahme gehalten hat. Und verärgert, dass sich der Kindsvater einen Deut um solche Wert und Vereinbarungen schert.
Dienstag, 8. Januar 2008
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