Sonntag, 24. Februar 2008

Fremde Erfahrungen

Zum wiederholten Mal muss ich feststellen, dass ich keineswegs die Einzige bin, die in der Scheidung solches erlebt. Das erstaunt eigentlich nicht. Doch die Heftigkeit und das Ausmass über die Ähnlichkeit der Geschichten sprengt jede Vorstellung. Eine andere Mutter erzählt:

Ihr Mann sein ein angesehener, bestens verdienender Banker gewesen. Bei der Scheidung vor Gericht habe er den armen Vater gespielt, der seinen gesamten Verdienst zu Hause abliefere, alles der Frau und Mutter zu Verwaltung und Führung des Haushaltes überlasse. Zu den Kindern habe er ein ausgesprochen liebevolles Verhältnis, verbringe ungewöhnlich viel seiner Freizeit mit ihnen und gehe aus diesem Grund keinem persönlichen Hobby oder ähnlichem nach. Über sein Vermögen wisse ausschliesslich seine Frau Bescheid, er habe alles zu treuen Händen ihr überlassen.

Die Leserin ahnt, dass kein Banker sein ach so sauer und hart verdientes Einkommen in nur in den einzigen häuslichen Fonds investiert. Auch wenn er nicht als Investmentbanker arbeitet, er kennt aus seinem Alltag oder dank seines beruflichen (und bestimmt auch privat entsprechenden) Netzwerkes unzählige Tricks und Kniffe, um auf legalen oder unbekannten Wegen seine Goldtaler zu vermehren, an Steuervogt und habgierigen Familienangehörigen vorbeizuschmuggeln.

Der aus dem Volk gewählte Laienrichter hört beiden Parteien – je von einem teuer bezahlten Anwalt vertreten – aufmerksam zu. Und entscheidet: das Sorgerecht werde geteilt, das verbleibende Vermögen der beiden sei nicht zu teilen, die Unterhaltszahlung und Alimente ist auf ein knappes, kaum existenzwahrendes Minimum festgelegt. Einmal mehr also muss die Frau und Mutter beim Sozial- und Fürsorgeamt bittstellig werden, während der Mann sich händereibend auf sein gehortetes, verstecktes Vermögen verlassen kann. Und dem natürlich immer noch hohem Einkommen. Die Mutter muss unbedingt eine Teilzeitstelle annehmen – mindestens 50 % Arbeitspensum sind ihr schliesslich zuzumuten, da das jüngste Kind bereits über 10 Jahre alt ist.

Doch der Clou an dieser Geschichte ist nicht das Aufteilen des Geldes. Diese Mutter hatte keine Chance auf Gerechtigkeit, weil der Richter mit dem Schwiegervater bestens bekannt ist – beide sind Vorstandsmitglieder im grössten Verein der Gemeinde.

Seit dem ersten Scheidungstermin sind bei mir über 4 Monate vergangen. Und ich weiss bis heute nicht, ob ich jetzt schon geschieden bin, wer das (alleinige) Sorgerecht erhält, wieviel und wie lange ich Unterhalt erhalte, wie das Vermögen aufgeteilt wird, die die hohen Gesundheitskosten (bspw. Selbstbehalt auf Zahnkorrekturen der Kinder) aufgeteilt werden etc. Nachdem der Gegenanwalt seine Replik geschrieben hat, der Jugendpsychologe das Gutachten für A verweigerte und sogar das Mandat zurückgab, wird jetzt eine neue Psychologin ein Gutachten über beide Kinder schreiben müssen. Obwohl schon 7 "Gegengutachten" von Pädagogen und anderen wichtigen Bezugspersonen vorliegen.

Ich hoffe, die fremden Erfahrungen werden nicht zu meinen eigenen.

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