Vor drei Tagen also musste ich antreten an die Scheidungsverhandlung. Ich hoffte, es würde nur eine einmalige Sitzung beim Gericht sein - wenn auch eine lange. Ich habe mich darauf eingestellt, dass sie den ganzen Tag dauern würde. Aber ich war bereits kurz nach Mittag wieder draussen. Völlig enttäuscht, entsetzt und auch ein wenig traurig.
So geht das also beim Gericht. Während ich anständig und fair blieb, alle Anklagepunkte vorbereitet habe und sauber begründete, lügte mein Noch-Ehemann, was das Zeug hielt. Und ich durfte ihn dabei nicht unterbrechen, musste alles anhören, darf erst in der Replik und Duplik der Anwälte dazu Stellung nehmen.
Plötzlich also bin ich eine ganz schlechte, egoistische Mutter, meine Kinder Problemfälle und R, der sich in den letzten 9 Jahren keinen Deut um die Erziehung gekümmert hat, der ideale Erzieher für unsere Kinder im Vorschulalter. Und das, nota bene, obwohl er weiterhin mind. 100 % und in Führungsposition arbeitet.
Ganz zu schweigen von der finanziellen Ungerechtigkeit. Da werden Belege hervorgezaubert, Darlehen erfunden, mit fast artistischen Verrenkungen Finanzakrobatik ein Eigengut kreiert, die mir vom gemeinsamen Vermögen schlussendlich eine lächerliche Abfindung von nicht mal 10 % zugestehen. Es ist die Höhe!
"So ist unser Gesetz nun mal, meine Liebe" muss ich mich tatsächlich trösten lassen. Ach ja? Ich verstehe, dass von Amtes wegen die Kinder psychologisch abgeklärt werden müssen, weil R - wenn auch mit unhaltbaren Lügen - Bedenken angemeldet hat, die das Gericht nicht ausser Acht alssen darf. Und wer während der Ehe Geld verdient, der darf es also bis zum Schluss behalten? Weil meine Hausarbeit nichts wert ist? Weil ich meine paar Prozente ausserhäusliche Arbeit brav für meine persönlichen Ausgaben genutzt habe und so keine Möglichkeit zum sparen hatte? Weil ich also in der Ehe so doof war, mich nicht durchsetzen konnte und R gewähren lies unser Geld für Auto und Wertschriften zu verwenden? Und heute habe ich wieder nichts davon, weil ich mich aus genau diesen (und anderen) Gründen scheiden lassen will.
Wo bleibt da die Gerechtigkeit?
Samstag, 27. Oktober 2007
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
2 Kommentare:
Was mir spontan einfällt: kannst Du nicht einen besseren Anwalt besorgen? Ich kenn mich da nicht aus, aber gibt es nicht eine(r), die/der auf Provision arbeitet, und deshalb mehr motiviert wäre, für Dich und die Kinder mehr herauszuholen?
Liebe(r) Cookie
Danke für den Tipp. Ist nicht eine Frage des guten Anwalts - den ich ohne Zweifel schon habe - sondern die Argumente des Gegenanwalts und unserer Rechtsprechung. Mit Duplik und Replik wird auf alle gemachten Punkte eingegangen und es ist Sache der Rechtsvertreter, unwahre und unhaltbare Argumente zu widerlegen. Zudem ist es Aufgabe des Gerichts, auf solch schwerwiegende Vorwürfe zugunsten des Kindeswohls einzugehen. Völlig egal, ob Lüge oder Wahrheit. Wenn ich meinen Bald-Ex-Mann wegen Verleumdung angehen möchte, muss ich einen weiteren aber anderen (Rechts)weg enschlagen. Du siehst, wer lügt, ist - vorerst - am längeren Hebel. Aber die Beine bleiben kurz.
Kommentar veröffentlichen